Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung

Konzept:  Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung

Präambel:

HIV/AIDS-Prävention wirkt! Das kann man insbesondere in Deutschland belegen durch das im europäischen und erst recht im weltweiten Vergleich sehr niedrige Niveau an HIV-Inzidenzen und Prävalenzen. Aber „HIV/AIDS-Prävention bleibt Herausforderung“ (1), denn um dieses Niveau zu erhalten und das Ziel der weiteren Minimierung von HIV-Infektionen erfolgreich zu gestalten, bedarf es einer steten Fort- und Weiterentwicklung der Präventionsstrategien. 

„Die Strukturen und Konzepte sind den sich verändernden gesellschaftlichen, epidemiologischen und medizinischen Entwicklungen und den regionalen Erfordernissen anzupassen.

Dazu gehört auch, die HIV/AIDS-Prävention (…) mit der Prävention anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STIs = sexually transmitted infections) zu verknüpfen und in Maßnahmen zur Förderung der sexuellen Gesundheit zu integrieren. (…) Da Menschen, die durch HIV besonders gefährdet sind, eine sehr heterogene Gruppe bilden, besteht die Herausforderung erfolgreicher Prävention darin, die Maßnahmen so zu gestalten, dass sie die jeweiligen Zielgruppen tatsächlich erreichen. Wichtig ist, dass die sexuelle Orientierung, geschlechtsspezifische Faktoren sowie kulturelle Hintergründe konsequent berücksichtigt werden.

Besonderes Augenmerk muss dabei auch auf Menschen gerichtet werden, die aufgrund sozialer, kultureller und persönlicher Faktoren ihre Gesundheit nicht ausreichend schützen können. HIV/AIDS-Prävention muss deshalb zukünftig stärker mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung verknüpft werden.“ (2)

HIV/AIDS-Prävention kann nur dann so erfolgreich bleiben, wenn sie als Teil einer umfassenden Strategie der Gesundheitsförderung etabliert werden kann. 

Die bisherige Präventionserfolgsgeschichte in Deutschland basiert ganz wesentlich auf der Berücksichtigung dieses umfassenden Verständnisses, das im Modell der „Strukturellen Prävention“ der Deutschen AIDS-Hilfe schon sehr konsequent angelegt wurde. Daran orientiert sich die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. schon seit über 25 Jahren neben den Grundsätzen der Ottawa-Charta der WHO, dem Ansatz der Salutogenese nach Antonovsky, dem Grundrecht auf Information & Aufklärung, dem Prinzip der Subsidiarität sowie der Akzeptanz von Lebensweisen. Seit 2009 haben wir uns den Namenszusatz „Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung“ gegeben, um zum einen dem Wandel im Krankheitsbild Rechnung zu tragen und deutlich zu machen, dass es um mehr als nur HIV gehen muss, wenn wir AIDS immer weiter eindämmen wollen. Und zum anderen natürlich, um zu dokumentieren, welche Kompetenzen, Ziele und Ansätze sich in unserer Einrichtung finden und abrufen lassen.

Was verbirgt sich also hinter der „Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung“?

 

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung

 

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. – Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung – unterstützt Menschen darin, ein möglichst hohes Maß an sexueller Gesundheit erreichen zu können. Dies geschieht durch Informationsvermittlung und kompetentes Eingreifen in bestehende oder sich entwickelnde gesellschaftliche Prozesse und zielt auf die Befähigung von Menschen, ihre sexuelle Identität finden zu können, sie zu stärken und Strategien gegen Risiken in Bezug auf Infektionskrankheiten realistisch, eigenverantwortlich und selbstbestimmt entwickeln sowie nachhaltig umsetzen zu können.

Grundlegend sind für uns dabei die von der WHO 2006 postulierten „Sexuellen Rechte“ (4), die mit den Menschenrechten verknüpft sind und das Recht jedes Menschen auf ein befriedigendes, sicheres und lustvolles Sexualleben, frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt beinhalten.

Selbstverständlich gilt dabei auch der Grundsatz, dass eine verantwortungsbewusste Ausübung dieser Rechte, die Rechte des anderen respektiert.

Für uns schließt der Respekt vor dem anderen auch zwingend einen akzeptierenden Umgang mit unterschiedlichen Lebensweisen, Lebensentwürfen und sexuellen Orientierungen ein.

So sind bei der (sexuellen) Gesundheitsförderung nicht nur die Individuen Adressaten für Maßnahmen zur Erreichung einer sexuellen Gesundheit im Sinne der WHO-Definition ((3), sondern es sind auch sozial- und gesellschaftspolitische Prozesse dahingehend zu beeinflussen, dass jeder Mensch ausreichend Ressourcen zur individuellen Ausgestaltung seiner persönlichen Gesundheit erlangen und aktivieren kann (Verknüpfung von Verhaltens- und Verhältnisprävention).

Die Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie hat den Anspruch der fortwährenden Qualitätssicherung, durch Rückkopplung mit dem jeweils aktuellen Stand der Forschung, durch entsprechende Fort- und Weiterbildung der haupt- und ehrenamtlich tätigen Akteure, durch die Bündelung und Vernetzung von Kompetenzen und Ressourcen.

Dabei kann die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel auf ein umfassendes Erfahrungswissen nach über 25-jähriger Tätigkeit –insbesondere in Bereichen der zielgruppenspezifischen- Präventionsarbeit aufbauen. Dazu gehört explizit auch die konsequente Einbeziehung von Selbsthilfekompetenz, Szenennähe, sogenannter key-persons und Alltagsexperten, die einen partizipativen Qualitätssicherungsprozess  gewährleisten. Dies gehört zwingend zum Selbstverständnis eines Selbsthilfe-, Interessens- und Fachverbandes, dem wir verpflichtet sind.


 

Quellenverweise:

(1)   Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.), Landeskonzept: Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen. Schwerpunkt „Neuinfektionen minimieren“, Düsseldorf, Juli 2013, S. 9

(2)   Ebd., S. 10

(3)   WHO Regionalbüro für Europa, 2006, S. 10

Definition „Sexuelle Gesundheit“, verabschiedet 2002:

„Sexuelle Gesundheit ist der Zustand körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Wohlbefindens bezogen auf die Sexualität und bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, Funktionsstörungen oder Schwäche. Sexuelle Gesundheit erfordert sowohl eine positive, respektvolle Herangehensweise an Sexualität und sexuelle Beziehungen als auch die Möglichkeit für lustvolle und sichere sexuelle Erfahrungen, frei von Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt. Wenn sexuelle Gesundheit erreicht und bewahrt werden soll, müssen die sexuellen Rechte aller Menschen anerkannt, geschützt und eingehalten werden.“

(4)   WHO Regionalbüro für Europa, 2006, S. 10

Definition „Sexuelle Rechte“, verabschiedet 2002:

„Sexuelle Rechte sind verknüpft mit den Menschenrechten, die bereits durch einzelstaatliche Gesetze, internationale Menschenrechtsdokumente und sonstige Konsenserklärungen anerkannt wurden. Sie beinhalten das Recht jedes Menschen, frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt,

·       auf einen bestmöglichen Standard sexueller Gesundheit, einschließlich des Zugangs zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung;

·       Informationen zu Sexualität zu suchen, zu erhalten und zu verbreiten;

·       auf sexuelle Aufklärung;

·       auf Respekt gegenüber der körperlichen Unversehrtheit;

·       auf freie Partnerwahl;

·       zu entscheiden, ob er sexuell aktiv sein will oder nicht;

·       auf einvernehmliche sexuelle Beziehungen;

·       auf einvernehmliche Eheschließung;

·       zu entscheiden, ob und wann er Kinder haben will und

·       ein befriedigendes, sicheres und lustvolles Sexualleben anzustreben.

Eine verantwortungsbewusste Ausübung der Menschenrechte macht es erforderlich, dass jeder die Rechte des anderen respektiert.“

 


 

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