21.07.2016 Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen – Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. und JES Duisburg ziehen Bilanz

Die Zahl der Menschen in Duisburg, die illegale Drogen konsumiert haben und im vergangenen Jahr in Duisburg verstorben sind, ist gestiegen. Die offizielle Zahl der Verstorbenen wird auf acht Menschen beziffert. Marko S. von JES Duisburg geht von deutlich mehr Todesfällen aus, die nicht in der Statistik auftauchen. „ Durch mein privates Umfeld weiß ich, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Ich engagiere mich in der Selbsthilfegruppe, weil ich dort politische Forderungen zur Entkriminalisierung und Regulierung der Drogenmärkte mitgestalten kann.“

Es gibt in Duisburg keinen Drogenkonsumraum. In einem solchem Raum wäre unter sicheren Bedingungen der Konsum geschützt möglich. Medizinisch ausgebildetes Personal kann bei lebensgefährlichen Überdosierungen Akuthilfe leisten, sterile Spritzen werden zur Verfügung gestellt und es besteht die Möglichkeit, in Therapien oder Entgiftungen zu vermitteln. „Auch die nicht Drogen konsumierende Bevölkerung würde durch Drogenkonsumräume deutlich entlastet, da durch diese der Konsum illegaler, harter Drogen in der Öffentlichkeit, wie z.B. im Kantpark, abnehmen würde“, führt Nadine Bolte von der Aidshilfe aus.

Niedrigschwellige Angebote in Duisburg werden von JES Duisburg und der Aidshilfe aufrecht erhalten. Hierbei handelt es sich um Streetwork in Stadtmitte und Hamborn und ein zweimal im Monat stattfindendes Frühstück für Drogengebraucher*innen, ehemalige Konsument*innen und Substituierte.

Die Substitution mit Methadon oder anderen Substitutionsmitteln kann helfen, die Drogengebraucher*innen gesundheitlich und sozial zu stabilisieren, den Drogenkonsum zu reduzieren oder sogar ganz aufzugeben. In Duisburg wird die Substitution durch engagierte Ärzte gewährleistet und auch hier ist die Aidshilfe mit der Wochenend- und Feiertagsvergabe ein Partner im System. Eine weitere Forderung von JES und der Aidshilfe ist die Substitution mit Diamorphin, welches als Arzneimittel und zur Substitution zugelassen, aber nur in einigen wenigen Städten verfügbar ist.

Einige substituierende Ärzt*innen gehen bald in Rente und es müssen dringend neue Ärzt*innen gefunden werden, die in diesem Bereich tätig werden wollen. Zudem müssten spezifische Angebote für drogengebrauchende Menschen installiert werden, die z.B. berücksichtigen, dass Substituierte älter werden und nur schwer in klassische Altersheime integriert werden können. Auch hier sind, im Gegensatz zu anderen Städten, in Duisburg keine Angebote in Planung.

Generell liegt in der Illegalität das Hauptproblem der Drogenkonsument*innen. Die überteuerten Preise auf dem Schwarzmarkt erzeugen Beschaffungskriminalität und -prostitution. Dies führt zu Kriminalisierung, Stigmatisierung, sozialer Ausgrenzung und massiven Schäden an Körper und Seele. Der Schwarzmarkt ist  auch die Ursache für die Streckung des Stoffes mit gesundheitsgefährdenden Beimengungen wie Arsen, Puddingpulver oder zerstoßenem Glas.

„Der bessere Weg ist es, Energie und finanzielle Mittel nicht für die Prohibition, sondern für Präventions- und Hilfsangebote für Menschen zur Verfügung zu stellen, die mit ihrem Drogenkonsum Probleme haben“, erklärt Silke Stützel, Vorstandsfrau der Aidshilfe.

Die Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. und JES Duisburg bieten am Donnerstag, den 21.7. von 10 bis 15 Uhr  auf der Königstraße gegenüber dem Eingang vom Forum Information an. Hier wird der acht verstorbenen Drogenbraucher*innen des letzten Jahres mit Kreuzen und Kerzen gedacht und an die Passanten Rosen verteilt.

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